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Weibliche Top-Talente in der Düsseldorfer Industrie

Sie gehören zu den Top-Talenten der deutschen Wirtschaft und sind die ersten Frauen, die am Standort Düsseldorf als weibliche Führungskraft in den Branchen Automobil und Chemie das Sagen haben. Das Düsseldorfer Wirtschaftsmagazin VIVID hat mit Claudia Malkus (Mercedes-Benz) und Helya Masoud (BASF) über Führungsverantwortung und Transformation, über Role Models und Mut gesprochen.

Claudia Malkus, Helya Masoud, wie war der Start in die eigene Karriere?
Malkus Seit meiner Kindheit bin ich extrem technikaffin, habe selbst an Dingen herumgeschraubt und früh davon geträumt, einmal bei Mercedes-Benz zu arbeiten. Diese Begeisterung hat meinen beruflichen Weg geprägt. Seit meinem Einstieg bei Mercedes-Benz hat sich meine Leidenschaft dafür verstärkt, Technik und Menschen zusammenzubringen. Früh hatte ich das Ziel, eines Tages eine Werkleiterinnenrolle zu übernehmen, weil ich ganzheitliche Verantwortung und Gestaltung übernehmen möchte.
Masoud In meiner Jugend haben mich Berufe wie Richterin, Ärztin oder Physikerin interessiert. Letztlich überwog meine Faszination für Technik und die Begeisterung Prozesse zu gestalten und damit greifbare Produkte herzustellen. So entschied ich mich für Maschinenbau mit dem Schwerpunkt Verfahrenstechnik. Der Dreiklang aus analytischem Denken, technischen Lösungen und Empathie hat mich gereizt. Ich bin eine Anpacker- Natur und mache nun das, was mir von Herzen Spaß macht: Technische Verfahren mit Menschen verbinden.
Was zeichnet Sie als Führungskraft aus?
Masoud In diesem wirtschaftlich herausfordernden Umfeld braucht es viel Führungsverantwortung. Wir müssen ins Handeln kommen, vorangehen und dabei den Optimismus nicht verlieren. Mein Team und ich sind überzeugt, dass wir hier am Standort, wo wir im Personal Care Bereich viele Marken bedienen, wettbewerbsfähig wachsen. Voraussetzung dafür ist stetiger Fortschritt. Für mich bedeutet das vor allem Menschen Orientierung und Klarheit in Entscheidungen zu geben, Entwicklung zu ermöglichen und unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen, denn nur gemeinsam können wir erfolgreich sein. Führung heißt für mich auch, klare Prioritäten zu setzen. Ich möchte diesem Werk eine Perspektive bieten und die Zukunftsfähigkeit sichern.
Malkus Eine meiner Stärken ist die Leidenschaft dafür, die Zukunft aktiv mitzugestalten. Ich bin stolz darauf, wie wir in Düsseldorf unser Werk modernisieren und uns auf die Vans der Zukunft vorbereiten. Wir produzieren hier bereits bilanziell CO2-neutral und setzen vielfältige Bauvorhaben für eine effiziente, flexible und digitale Fertigung um. So entstehen aktuell ein neuer Decklack für die Lackierung unserer Fahrzeuge und ein neues Logistikcenter. Den Standort wirtschaftlich und zukunftsfähig aufzustellen, gelingt jedoch nur mit den Menschen. Mir ist wichtig, das Positive an einer Veränderung zu vermitteln, Mitarbeitende einzubeziehen, Orientierung zu schaffen und Erwartungen transparent zu machen.
Das Thema weibliche Führung: Wie ist das?
Malkus Für mich stehen Leistung und Einsatzbereitschaft an erster Stelle. Ich möchte durch klare Kommunikation und wertschätzendes Miteinander überzeugen und gute Ergebnisse erzielen. Mercedes-Benz unterstützt diesen Weg aktiv: Frauenförderung ist ein wichtiges Handlungsfeld. Ich sehe es als riesige Chance, durch mein Handeln ein Vorbild zu sein und zu zeigen, dass Vielfalt im Führungsteam ein Gewinn ist.
Masoud Als Werksleiterin ist mir bewusst, dass ich eine besondere Sichtbarkeit habe. Diese Rolle nutze ich gezielt, um Vorbild oder Inspiration zu sein und andere zu ermutigen. Ich freue mich darüber, dass sich weibliche Talente bewerben – explizit deshalb, weil sie mich gesehen haben. Auf meinen Stationen war ich stets eine von sehr wenigen Frauen. Früh habe ich gelernt, dass es kein Rückschlag ist, wenn man anfangs unterschätzt wird. Denn mit Leistung und Engagement zu überzeugen, hinterlässt bleibenden Eindruck. Man muss an sich selbst glauben. Und Unterstützer, die an einen glauben, helfen auf dem Weg. Daher bin ich gerne Mentorin und gebe mein Wissen und die Erfahrungen weiter, unterstütze meine Mentees bei ihrer Karriere – insbesondere Frauen.
Welche Skills braucht man als Führungskraft?
Malkus Wenn man mit Menschen zusammenarbeitet und Teams führt, ist eine Kombination aus ausgeprägter Kommunikationsfähigkeit, Empathie und strategischem Denken entscheidend. Gerade an einem Standort mit einer so langen Tradition wie unserem Werk in Düsseldorf ist es wichtig, die Menschen in der Transformation einzubeziehen. Moderne Führung bedeutet: Ziele vorgeben, agil auf Veränderungen reagieren, innovativ sein und ein Umfeld schaffen, in dem die Mitarbeitenden ihr Potenzial entfalten können.
Masoud Das sehe ich genauso und möchte ergänzen, dass ich deshalb gern und oft meinen Mitarbeitenden Feedback gebe und dieses auch selbst einfordere. Denn nur so kann man wachsen, sich beruflich und persönlich weiterentwickeln. In Summe bringen es unsere BASF-Führungswerte gut auf den Punkt: Kreativität, Offenheit, Verantwortung und unternehmerisches Handeln. Also Chancen zu erkennen, dem Team psychologische Sicherheit zu bieten und aktiv zu gestalten.
Was muss sich ändern, damit mehr weibliche Talente in der Industrie Fuß fassen?
Malkus Wir haben uns bei Mercedes-Benz bereits 2006 in Deutschland das Ziel gesetzt, den Frauenanteil in leitenden Führungspositionen kontinuierlich zu steigern. Es braucht sichtbare Vorbilder und gezielte Förderung. Wir müssen Mädchen und junge Frauen schon frühzeitig für technische Berufe begeistern (Stichwort: Girls’ und Boys’ Day). Zusammen mit der Initiative „Komm auf Tour“ bieten wir die Möglichkeit, in den Berufsalltag eines Automobilherstellers reinzuschnuppern. Zudem sind strukturelle Veränderungen und eine offene Unternehmenskultur unerlässlich, die Vielfalt toleriert, sie aktiv als Bereicherung versteht und Chancengleichheit für alle Beschäftigten fördert.
Masoud Unser globales BASF-Ziel ist bis 2030 weltweit 30 Prozent Frauen in Führungsfunktionen zu haben. Dafür haben wir MINT Initiativen, die bereits im frühen Kindheitsalter ansetzen bis hin zur Gestaltung unserer Arbeitsplätze. Am Ende entscheidet nicht das Geschlecht, sondern der Beitrag zum Erfolg. Daher setzen wir uns ganz grundsätzlich für Diversität ein, denn wahre Innovationskraft kommt aus der Vielfalt von Perspektiven.
Wo tanken Sie auf? Machen Sie Sport?
Masoud Ich tanke Energie auf zwei Ebenen. In meiner Freizeit im Zusammensein mit Familie, Freunden und Menschen, die mir nahestehen. Mein Sport ist Tennis, aber ich suche in Düsseldorf noch „meinen“ Verein. Beruflich schöpfe ich Energie aus gemeinsam erzielten Resultaten. Wenn ein Plan aufgegangen ist oder wir im Team eine Entscheidung getroffen haben, die uns weiterbringt.
Malkus Ich unterstütze gern Menschen dabei, sich weiterzuentwickeln. Sie wachsen zu sehen erfüllt mich. Das gilt auch für den Sport, insbesondere beim Reiten. Als Dressurreiterin fasziniert es mich, wie man mit einem Partner – in diesem Fall dem Pferd – ohne Worte in Harmonie zusammenarbeiten und Erfolge erreichen kann. Dieses Zusammenspiel aus Vertrauen, Klarheit und Leidenschaft treibt mich an.
Sind Sie mutig?
Masoud Ja und neugierig. Mut bedeutet für mich nicht Risikofreude, sondern Verantwortung zu übernehmen, wenn es darauf ankommt und Chancen zu ergreifen. Mit Zuversicht, aber besonnen und mit Respekt habe ich die exponierte Rolle in „meinem“ Werk in Düsseldorf übernommen.
Malkus Mut spielt in meinem Leben eine große Rolle. Ich spreche an, was ich denke, und stehe dazu. Jungen Frauen möchte ich sagen: Seid mutig! Gerade in technischen Berufen warten enorme Chancen, sich einzubringen und eigene Wege zu gehen. •

ABOUT CLAUDIA MALKUS
Der weltgrößte Produktionsstandort für den Kastenwagen Sprinter in Düsseldorf wird erstmals in der 64-jährigen Geschichte von einer Frau geleitet. Die Ingenieurin Claudia Malkus hat im Oktober 2025 das Mercedes-Werk in Derendorf übernommen. Ihre Karriere begann die 40-Jährige 2012 bei Mercedes-Benz in Hamburg als Planungsingenieurin für Leichtbautechnologien. Nach Stationen in Mexiko führte sie seit 2023 das Produktionsnetzwerk Batterie in Europa.

ABOUT HELYA MASOUD
1984 in Teheran geboren, in Düsseldorf und Duisburg aufgewachsen, startete Helya Masoud nach dem Maschinenbau-Studium an der RWTH Aachen 2009 ihre Karriere bei Linde Engineering als Automatisierungsingenieurin für Lufttrennanlagen. Führungsaufgaben in Katar folgten. 2015 der Wechsel zur BASF SE, wo sie von 2021 an als Vice President die Energieversorgung in Ludwigshafen leitete. Seit September 2025 ist sie Geschäftsführerin und Werksleiterin in Holthausen, dem weltweit mit 1300 Beschäftigten größten BASFStandort für kosmetische Inhaltsstoffe.
VIVID Magazin
Words: Dagmar Haas-Pilwat
Pictures: BASF, Mercedes-Benz AG, Falco Peters
